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Stärkere Überzeugung bei Aktienallokationen

By Dianne Lob, Nelson Yu 01. Juli 2015
Stärkere Überzeugung bei Aktienallokationen

Ein Blick über das Spektrum der Kapitalmärkte hinweg verdeutlicht die zunehmenden Schwierigkeiten Renditen zu erzielen. Grund zum Verzweifeln besteht dennoch nicht. Mit einem frischen Blick auf High-Conviction-Strategien können Anleger unserer Meinung nach bei der Aktienallokation effektivere aktive Wege zum Erreichen ihrer Ziele entdecken.

„Conviction“, zu Deutsch: Überzeugung, ist nicht nur ein Schlagwort für grenzenloses Vertrauen. Es ist vielmehr das Umsetzen von Kenntnissen, Urteilsvermögen und Erfahrungen in einen aktiven aktienspezifischen Ansatz mit zielgerichtetem Blick auf den Markt. Wie unser Research zeigt, können diese Strategien sehr effektiv sein – wenn die Überzeugung und deren Funktion klar verstanden werden. Der Ausblick für die Renditen ist ernüchternd. Von Aktien über Anleihen bis hin zu Sachwerten – unsere Prognosen weisen darauf hin, dass die Renditen für alle wichtigen Anlageklassen in den nächsten zehn Jahren unterdurchschnittlich ausfallen dürften (siehe Abbildung). Vor diesem Hintergrund kann es bereits von entscheidender Bedeutung sein, wenn man den Markt lediglich um eine geringe Marge von 1% pro Jahr übertrifft.

Dennoch geben sich viele Anleger mit wesentlich weniger zufrieden. Anstatt eine Renditensteigerung anzustreben, investieren sie immer häufiger in einen passiven Ansatz. Diversifizierte Portfolios, einst das Lebenselixier vieler aktiver Manager, spielen lediglich noch eine marginale Rolle.

Diese Verlagerung spricht für tatsächliche Bedenken in Bezug auf die Kosten und Effizienz des aktiven Managements. Marktinnovationen haben es den Anlegern ermöglicht, zwei Komponenten von Aktienrenditen relativ günstig zu erwerben: umfassendes Marktengagement und Faktorengagement.

Vor dem Hintergrund niedriger Renditen müsste man jedoch eventuell Opportunitätskosten zahlen. In einem verhaltenen Marktumfeld spielen High-Conviction-Strategien eine wichtige Rolle bei der Aktienallokation, wenn es darum geht, bessere Renditen als die Benchmark zu erzielen. Wir sind der Meinung, dass sich Aktienportfolios mithilfe unterschiedlicher Typen von High-Conviction-Strategien optimaler einsetzen lassen.Voraussetzung dafür ist jedoch eine umfassende Auseinandersetzung mit deren Auswahl und Einsatzmöglichkeiten. Darüber hinaus können die Strategien Anlegern bei der Suche nach erfolgreichen Managern von Nutzen sein.

Was bedeutet Überzeugung wirklich?

Unsere Definition von starker Überzeugung umfasst mehrere Faktoren. Erstens muss sich ein Portfolio wesentlich von der Benchmark unterscheiden. Zweitens benötigt man eine klare Anlagephilosophie. Drittens ist ein disziplinierter Prozess unerlässlich. Viertens steht eine starke Überzeugung für die Standhaftigkeit gegenüber den eigenen Research-Ergebnissen, wenngleich diese nicht im Trend liegen. Andererseits darf jedoch nicht stur an Thesen festgehalten werden, sollten veränderte Umstände deren Überarbeitung erfordern.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet kann Überzeugung viele Formen annehmen. Sie ist wesentlich mehr als ein hoher aktiver Anteil zur Untermauerung der Überzeugung.

Wir haben acht Typen von High-Conviction-Aktien untersucht, die von ertrags- und wert- über value- und wachstumsorientierten bis hin zu konzentrierten Ansätzen reichen. Im Rahmen unserer Studie definierten wir High-Conviction-Portfoliomanager wie folgt: Mindestens 60% der Zeit rangieren sie unter den führenden 20% einer Kategorie des eVestment US Large Cap Equity Universe. Zudem mussten sie Reporting-Merkmale über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren vorweisen. Aus dieser Gruppe extrahierten wir jene Manager, die während ihres Reporting-Zeitraums überdurchschnittliche Renditen erzielten. Anders ausgedrückt, suchten wir nach Portfoliomanagern mit einem kontinuierlich hohen Engagement und Ueberzeugung in Bezug auf eine bestimmte Anlagendisziplin.

Starke Renditen in den High-Conviction-Kategorien

Die Ergebnisse waren beeindruckend. Von 2004 bis 2014 übertrafen kompetente High-Conviction-Aktienmanager den S&P 500 Index vor Abzug der Gebühren um eine beträchtliche Marge (siehe Abbildung). Die überdurchschnittliche Wertentwicklung reichte von 1,6% bzw. 1,9% in den value- und renditeorientierten Kategorien bis hin zu 3,0% bzw. 3,2% in den Kategorien Momentum und hoher aktiver Anteil. Selbst unter Berücksichtigung der Gebühren sind dies erhebliche Aufschläge gegenüber der Benchmark. Gestützt durch die überzeugende Informationsratio, weist dies auf attraktive risikobereinigte Renditen hin.

Fünf dieser Gruppen sind auch in passiven MSCI-Faktor-Indizes vertreten. Auch hier brachten die kompetenten High-Conviction-Strategien solide Ergebnisse, die deutlich über den passiven Faktor-Indizes lagen (siehe Abbildung).

Sich von der Masse abheben

Diese Ergebnisse sind Ausgangspunkt für eine allgemeinere Diskussion über die Kombination von High-Conviction-Strategien zum Erreichen eines breiten Spektrums an Anlagezielen, wie etwa Verlustabsicherung, Rendite, konsistentes Alpha sowie Partizipation an Aufwärtsentwicklungen.

Dieser Blog wurde ursprünglich unter InstitutionalInvestor.com veröffentlicht.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder.

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