Anleihen

Was haben wir 2014 über Anleihen gelernt?

By Douglas J. Peebles 04. Februar 2015
Was haben wir 2014 über Anleihen gelernt?

Nach einem weniger berauschenden Jahr 2013 für Anleihen waren viele Anleger bereit, sich von der Anlageklasse abzuwenden. Viele taten es jedoch nicht und wurden für ihre langfristige Perspektive belohnt.

Nach unserer Auffassung können Anleger fünf Lehren aus 2014 ziehen, die ihnen auch aufzeigen, wie sie 2015 Anlagemöglichkeiten im festverzinslichen Bereich nutzen sollten:

1) Meiden Sie die Masse nicht nur – profitieren Sie auch von ihr. Der Herdentrieb ist normalerweise keine gute Taktik. Als sich die Anleger im letzten Jahr auf höher verzinsliche Anleihen stürzten, merkten viele zu spät, dass sie damit auch das Portfoliorisiko erhöhten. Man hätte vielleicht einfach der Masse folgen und Hochzinsanleihen komplett meiden können, aber es gab auch andere Optionen. Anleihen aus Emerging Markets mussten 2013 beispielsweise Abflüsse hinnehmen, stiegen 2014 jedoch wieder in der Gunst der Anleger, wovon antizyklische Anleger profitieren konnten. Wie wir festgestellt haben, ist es aus vielen Gründen sinnvoll, von Massenspekulationen Abstand zu nehmen und ihre Hintergründe aufzudecken. Ebenfalls sinnvoll ist eine gut durchdachte Diversifizierung. Verpassen Sie jedoch keine günstigen Anlagen, die die Masse außer Acht lässt.

2) Zinssätze sind nicht Ihr größtes Risiko. Viele Anleger verkauften 2014 ihre kurz- und mittelfristigen Anleihen, weil sie dachten, die Zinsen würden steigen. In dem aktuellen renditeschwachen Umfeld (insbesondere für kurzfristige Anleihen) wandten sich einige Anleger risikoreicheren Produkten wie höher rentierlichen Anleihen mit CCC-Rating zu. Bei diesen Anlagen mit niedriger Bonität hätten die Alarmglocken läuten sollen, aber wenn  Anleger diese nicht gehört haben, mussten sie in der zweiten Jahreshälfte 2014 erhebliche Verluste hinnehmen. Unseres Erachtens ist jetzt kein geeigneter Zeitpunkt, um nach Renditen Ausschau zu halten, und Anleger sollten Anleihen mit CCC-Rating vermeiden, weil sie keine ausreichende Entschädigung für das mit ihnen verbundene Risiko bieten.

3) Extreme Anstiege kommen vor und werden immer wieder vorkommen. Nach zweitägigen Kursgewinnen Mitte Oktober stürzten sich die Anleger weltweit auf die scheinbar sicheren 10-jährigen US-Staatsanleihen. Daraufhin brach die Rendite um 21 Basispunkte ein und der Kurs stieg um beinahe 2%. Mit so einer Extremsituation müssen wir wohl in allernächster Zukunft nicht rechnen, aber es erinnert daran, dass die Liquidität sogar in den liquidesten Sektoren wie US-Staatsanleihen gefährdet sein kann. Kaufen und Verkaufen war nicht das Problem – das Handelsvolumen war rekordverdächtig. Das Problem war die starke Kursbewegung, die das Volumen mit sich brachte. Obwohl viele Anleger überrascht waren, sorgten sie sich aufgrund des starken Kursanstiegs weniger. Wären sie ebenso sorglos, wenn die Kurse um 2% fallen würden? Stoff zum Nachdenken.

4) Ein stärkerer US-Dollar brachte viele internationale Anleihenanleger ins Wanken. Der Barclays Global Aggregate Bond Index (Unhedged) erzielte 2014 magere 0,6%, während der Barclays Global Aggregate Bond Index (Hedged to USD) beeindruckende 7,6% erzielte. Entscheidend ist die Absicherung von Wechselkursrisiken: Die Auflösung hochvolatiler Währungspositionen aus risikomindernden Anleiheportfolios kann dabei helfen, schwierige Zeiten wie 2014 zu überstehen, in denen der US-Dollar zu den stärksten Währungen der Welt zählte. Währungstrends halten normalerweise ein paar Jahre an. Wundern Sie sich also nicht, wenn sich die Situation 2015 wiederholt.

Wie entwickelten sich die Renditen währungsgesicherter globaler Anleihen im Vergleich zu den Renditen von US-Dollar-Anleihen? Der Barclays US Aggregate Bond Index erzielte 2014 6,0%. Langfristig waren die annualisierten Renditen von nicht abgesicherten globalen, abgesicherten globalen und US-Anleihen in etwa gleich. Die geringste Volatilität wiesen jedoch Anlagen in abgesicherten globalen Anleihen auf. Mit ihnen erzielten Anleger die höchsten risikobereinigten Renditen (Grafik). Unterm Strich lässt sich feststellen, dass die Anlage in Devisen riskant ist, und unserer Meinung nach sollten Anleger in Kernanleihen standardmäßig ein abgesichertes globales Portfolio in Betracht ziehen.

Abgesicherte globale Anleihen - weniger Risiko, vergleichbare Rendite

5) Die Globalisierung der weltweiten Anleihenmärkte wirkt sich aus: Vor ein paar Jahren änderten wir die Art, wie wir die Anleihenmärkte rund um die Welt gestalten. Anstatt jedes Land oder jeden regionalen Anleihenmarkt so zu betrachten, als wäre er eine Insel, fingen wir an, die Welt als Ganzes zu betrachten. Dann änderten wir diese weltweite Betrachtungsweise für jede Region bzw. jedes Land abhängig von spezifischen lokalen Faktoren.

Das klingt banal, oder? Falsch. Da Kapital keine Grenzen hat, wirken sich die Maßnahmen der Bank of Japan oder die vom Markt erwarteten Maßnahmen der EZB ebenso auf den Markt für US-Staatsanleihen wie auf den Markt für japanische Staatsanleihen bzw. deutsche Bundesanleihen aus. Das heißt nicht, dass Relative-Value-Ideen nicht mehr relevant sind – das sind sie immer noch. Wir glauben auch, dass die Geldpolitik durch Änderungen der Devisenbewertungen in den nächsten Jahren einen stärkeren Einfluss haben wird. Daher wird es möglicherweise für diejenigen Anleger, die ihre Anlageentscheidungen mit ihren Währungsentscheidungen kombinieren anstatt sie davon zu trennen, schwieriger sein, Mehrwert zu schaffen.

Was sollten Anleger von 2014 auf 2015 übertragen? Wenn es um Anleihen geht, ist eine gute Verteidigung der beste Angriff – und Diversifizierung ist von entscheidender Bedeutung. Anleger sollten weiterhin einen globalen Multi-Sektor-Ansatz verfolgen, der auf die Reduzierung der Risiken und die Maximierung der Chancen ausgerichtet ist.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

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