Aktien / Emerging Markets

Chinas neuer Aktienhandel

By Stuart Rae, John Lin 06. Februar 2015
Chinas neuer Aktienhandel

Das Aktienhandelsprogramm Shanghai-Hong Kong Stock Connect ging im November an den Start. Auch wenn es langsam anlief, hat es den Zugang von Ausländern zu chinesischen Aktien erheblich verbessert und neue Anlagechancen geschaffen. Zwei Untersektoren sind für globale Anleger besonders beachtenswert.

Geringes Volumen bei hohem Potenzial

Zu den wichtigsten Trends, die wir 2015 beobachten können, wird die voraussichtlich zunehmende Nutzung von Shanghai-Hong Kong Stock Connect gehören. Diese wichtige Kapitalmarktreform wurde im vergangenen November von der chinesischen Regierung initiiert, um am Aktienmarkt in Schanghai den Zustrom ausländischen Kapitals zu fördern. Gleichzeitig sollte eine höhere Aktivität von Anlegern aus Festlandchina bei den in Hongkong notierten Aktien erleichtert werden.

Anfänglich war der Handel in dem neuen System träge. Aus verschiedenen operativen Gründen lag der Handel deutlich unter den von der Regierung festgelegten Quoten (allerdings bestand kein Zusammenhang zwischen dem System und der kürzlich beobachteten Volatilität auf den chinesischen Aktienmärkten). Wir sehen dies jedoch als eine vorübergehende Phase an. Wenn diese Fragen erst einmal gelöst sind, erwarten wir, dass sich institutionelle ausländische Anleger deutlich stärker an dem Programm beteiligen. Die Regierung vertraut auf den Erfolg: Premierminister Li Keqiang wies kürzlich auf Pläne für ein ähnliches Programm hin, das die Börsen von Hongkong und Shenzhen miteinander verbinden soll.

Für Anleger sind das gute Neuigkeiten. Unserer Meinung nach hat die kurzfristige Fokussierung auf das Handelsvolumen zwischen den Börsen von Schanghai und Hongkong möglicherweise von den tatsächlich eingetretenen strukturellen Verbesserungen abgelenkt, sowie von den neuen Anlagechancen, die mit dem neuen System bereits geschaffen wurden.

Sechs mal so viele Aktien

Globale Anleger haben nun Zugang zu mehr chinesischen Aktien als je zuvor. Bevor das Programm startete, beschränkte sich der Zugang von ausländischen Anlegern zu inländischen chinesischen Aktien auf A-Aktien, die zugleich am Aktienmarkt in Hongkong notiert waren. Dabei handelt es sich um Aktien von Unternehmen, die in Festlandchina eingetragen sind. Die Aktien lauten auf Renminbi und werden auf dem Aktienmarkt in Festlandchina gehandelt. Dies traf auf rund 80 Aktien zu. Mit dem Shanghai-Hong Kong Stock Connect-Programm haben ausländische Anleger Zugang zu rund 500 A-Aktien. Das sind ungefähr sechs Mal mehr als zuvor.

Dies führte zu einer drastischen Veränderung bei den Sektoren, die für globale Anleger (siehe Abbildung) zur Verfügung stehen. Die dunklen Balken zeigen die Aufschlüsselung nach Sektoren beim MSCI China Index. Er setzt sich aus den in Hongkong notierten chinesischen Aktien zusammen, d. h. aus Aktien des begrenzten chinesischen Aktien-Universums, das bisher für ausländische Anleger verfügbar war. Die hellen Balken zeigen eine vergleichbare Aufschlüsselung für den MSCI China A-Index bzw. für alle chinesischen Festlandaktien, zu denen ausländische Anleger von nun an Zugang haben. Ein Vergleich der zwei Balken bei den Sektoren Industrie, Konsumgüter, Roh-, Hilfs- & Betriebsstoffe und Gesundheitswesen zeigt, wie MSCI China A/Stock Connect diese „inländischen“ Sektoren für ausländische Anlagen öffnet.

Stock Connect erhöht die Zahl der Schlüsselsektoren

Der MSCI China/Hongkong scheint mehr Aktien in den Sektoren Energie, Telekommunikation und Technologie zu bieten. Allerdings werden diese Sektoren momentan von wenigen großen Unternehmen dominiert. Dadurch sind sie bei der Aktienauswahl relativ unattraktiv. Finanzwerte sind in beiden Indizes gut vertreten.

Zwei attraktive Untersektoren

Einige Untersektoren sind jedoch aus unserer Sicht sehr attraktiv. Insbesondere eröffnet der MSCI China A/Stock Connect Chancen in den Untersektoren Lebensmittel, Getränke & Tabak (FBT) und Gebrauchsgüter (siehe Abbildung). Der chinesische FBT-Sektor ist im weltweiten Vergleich trotz seines überaus attraktiven Wachstums und seiner Rentabilität sehr preiswert. Innerhalb des Sektors sind die Hersteller von weißem Alkohol (wie z. B. dem traditionellen Baijiu auf Getreidebasis) besonders verlockend, da sich die chinesische Korruptionsbekämpfung stark ausgewirkt hat und solchen Aktien, die zuvor Premium-Preise erreichten, unserer Ansicht nach nun zu einer attraktiven Bewertung verholfen hat. Auch die Preise für das eigentliche Produkt sind drastisch gefallen. Aber ein Großteil davon ging eher zulasten der Vertriebspartner als zulasten der Hersteller. Außerdem spült der niedrigere Preis neue Konsumenten auf den Markt, sodass sich die Nachfrage stabilisiert.

FBT und Gebrauchsgüter erscheinen attraktiv

Auch der Sektor Gebrauchsgüter, zu dem Hersteller von Klimaanlagen, Kühlschränken und anderen Geräten gehören, weist ein günstigeres Preisniveau auf als im weltweiten Vergleich. Dieser Abschlag spiegelt zum Teil die Sorge um den chinesischen Immobilienmarkt wider. Wir teilen die pessimistischsten Einschätzungen hierzu nicht. Zudem wächst der Gerätesektor weiter. Es lohnt sich, die Hersteller von Klimaanlagen weiter zu beobachten, denn von solchen Produkten kaufen die Haushalte über längere Zeit gesehen in der Regel mehr als eins. Die jüngste Konsolidierung in dem Sektor führt dazu, dass die Top-Unternehmen Skalenvorteile bieten. Außerdem sind ihre Aktien in den meisten Fällen für nicht-chinesische Anleger noch nicht verfügbar.

Unserer Ansicht nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis globale Anleger in der Lage sind, größere Vorteile aus diesen und anderen Chancen zu ziehen, denn das Stock Connect Programm fasst Fuß. Wer heute versucht, auf den chinesischen Aktienmarkt zu gelangen, wird sehen, dass viele neue Türen bereits aufgestoßen wurden.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

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