Anleihen

Vergessen Sie die Volatilität – achten Sie mehr auf Bonität und Laufzeit

By Douglas J. Peebles 20. November 2014

Sollten Sie wegen des rasanten Volatilitätsanstiegs am Anleihenmarkt in letzter Zeit besorgt sein, haben wir einen Rat: Machen Sie sich keine Sorgen. Es gibt genügend andere Risiken – vor allem die Bonität und flachere Renditekurven – die die Anleihenwelt an verschiedenen Ecken und Enden durcheinander wirbeln. Glücklicherweise können Sie gegen diese etwas unternehmen.

Außer Frage steht, dass die letzten Wochen volatil ware. Doch die jüngsten Kursschwankungen, hauptsächlich verstärkt durch Anzeichen für ein sich abschwächendes globales Wachstum, waren nicht die Ursache für die beiden größten Verwerfungen am derzeitigen Anleihenmarkt: Ausverkäufe bei Hochzinsanleihen mit dem niedrigsten Rating und bei Anleihen mit kurzer Laufzeit im Allgemeinen.

Verkaufsdruck baut sich in diesen Bereichen schon seit Monaten auf. Infolgedessen haben sich von diesen Papieren viele schlechter entwickelt als Anleihen mit höherem Rating und längerer Laufzeit. Wir meinen, dass eine genauere Betrachtung der Dynamik hinter dem Verkauf Licht auf die hierdurch entstandenen Chancen und auf Fallstricke werfen kann, die die Anleger vermeiden sollten.

Beginnen wollen wir dabei mit dem Ausverkauf von Anleihen mit kurzer Laufzeit. Diese Wertpapiere sind in erheblicher Weise dem Risiko von steigenden Zinsen ausgesetzt. Im Laufe des dritten Quartals sah es zunächst so aus, als könnte die US-Notenbank die Zinsen früher anheben als vom Markt erwartet. Anleger versuchten sich dagegen zu schützen, indem sie Anleihen mit kurzer Laufzeit verkauften: Unternehmensanleihen der Kategorien Investment Grade und High Yield ebenso wie US-Schatzanleihen. Diese Verkaufstour drückte die Renditen am kurzen Ende der meisten Kurven in die Höhe, und die Wertentwicklung von Anleihen mit kürzerer Laufzeit war weitgehend unterdurchschnittlich. Die folgende Abbildung stellt die Gesamtrendite für weltweite Investment-Grade-Unternehmensanleihen und US-High-Yield-Anleihen dar.

Anleihen mit kürzerer Laufzeiten haben Schwierigkeiten

Wir meinen, dass die Verkäufer möglicherweise übereilt gehandelt haben. Während die US-Wirtschaft an Dynamik zulegt, deuten die jüngsten Daten aus der Eurozone, aus China und aus anderen Regionen auf eine mögliche Verlangsamung der Weltwirtschaft hin. Dementsprechend machen sich derzeit am Markt Gedanken breit, dass die Fed vielleicht doch auf der sicheren Seite bleibt und noch länger an niedrigen Zinsen festhält.

In diesem Fall ist das unter Umständen eine gute Gelegenheit, um Anleihen mit kürzerer Laufzeit zu niedrigeren Preisen zu kaufen. Bis September weiteten sich die Spreads bei US-Hochzinsanleihen mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahren beinahe doppelt so viel wie die Spreads für Anleihen im fünf- bis siebenjährigen Segment. Das könnte mehr Aufwärtspotenzial für Kurzläufer bedeuten, wenn es nicht zu einer raschen Zinsanhebung kommt.

Im Übrigen entwickeln sich Papiere mit kürzeren Laufzeiten über einen längeren Zeitraum tendenziell besser. Fondsmanager bezeichnen sie oft als „Pufferpapiere“. Deswegen ergeben sich aus dem jüngsten Ausverkauf nach unserer Auffassung einige schöne Ankaufchancen für Anleger, die nach Wertpapieren mit kurzer Laufzeit und attraktiven Renditen Ausschau halten.

Die andere auffällige Störung bei Anleihen konzentrierte sich auf Hochzinsanleihen mit dem niedrigsten Rating. In diesem Fall sehen wir im Ausverkauf eher eine Alarmglocke als eine Chance. Man sollte nicht vergessen, dass mit CCC bewertete Anleihen von anfälligen Unternehmen mit hoher Verschuldung und schwachen Bilanzen ausgegeben werden. Damit solche Unternehmen ins Straucheln geraten, braucht es nicht viel. Häufig kommt es dazu schon, noch bevor am Hochzinsmarkt steigende Ausfallraten zu beobachten sind.

Im vergangenen Jahr haben Anleger über diese Risiken größtenteils hinweg gesehen und sich auf die höheren Renditen fixiert, die Anleihen mit CCC-Rating bieten. Infolgedessen wurden die Renditen durch die hohe Nachfrage auf ein Niveau vermindert, bei dem Anleger nach unserem Dafürhalten für das Risiko, das sie eingehen, nicht mehr entschädigt werden.

Aber vielleicht wendet sich das Blatt, wenn Credit-Hedgefonds beim Verkauf an erster Stelle stehen. Die daraus resultierenden höheren Renditen mögen einige Anleger in Versuchung führen, wieder einzusteigen. Doch nach unserer Einschätzung ist die Jagd nach Renditen im gegenwärtigen Stadium des Zyklus riskant. Hierfür ist ein umfangreiches Credit-Research erforderlich, und in den meisten Fällen haben wir Zweifel, dass die Renditen in den nächsten 12 Monaten das Risiko rechtfertigen.

Insgesamt lässt sich Folgendes festhalten: Wir glauben nicht, dass sich Anleihenanleger über die allgemeine Volatilität am Markt Sorgen machen sollten. Sie sollten unserer Meinung nach allerdings auf die Anleihen Acht geben, die am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn man die Ursache für den Verkauf versteht, ist es leichter, sich ein klares Bild von den Chancen und Gefahren am Anleihenmarkt zu machen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

Vergessen Sie die Volatilität – achten Sie mehr auf Bonität und Laufzeit
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