Aktien / Emerging Markets

Nach dem Beta-Trade in den Emerging Markets

By Sammy Suzuki, Morgan Harting 03. November 2014

Das Erzielen von Renditen mit Aktien in Emerging Markets wird schwieriger. Einfach nur dem Index nachzujagen – sogenannte Beta-Trades – reicht nicht mehr aus. Mit einem differenzierteren, aktiven Vorgehen aber können Anleger unserer Meinung nach immer noch Chancen in der nächst

Im vergangenen Jahrzehnt ging ein enormes Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets mit ebenso enormen Anlagerenditen einher (Grafik). So lieferten EM-Aktien und Anleihen in den zehn Jahren bis 31. Dezember 2013 annualisierte Renditen von 11,2% bzw. 11,8%, während Industrieländeraktien lediglich 7,0% p.a. erzielten.

Was kommt als Nächstes? Mehr Gegenwind für Beta-Renditen in EM

Neue Herausforderungen in einem veränderten Umfeld

Die Zeiten der leichten, rein indexorientierten Aktiengewinne dürften vorbei sein. Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt. Die Anlagezyklen für Anleihen, Rohstoffe und Aktien haben ihren Höhepunkt überschritten. Die Reformbemühungen in vielen Emerging Markets stagnieren oder lassen nach. Der schwierige wirtschaftliche Übergangsprozess Chinas und sein rückläufiges Interesse an Rohstoffen machen sich bemerkbar. Und die allmähliche Normalisierung der ultralockeren US-Geldpolitik sorgt – zusammen mit ihren Auswirkungen auf die Kapitalflüsse – für eine weitere Eintrübung der Aussichten für die Zukunft.

Die Bewertungen von EM-Aktien sind im Zuge des Ausverkaufs der letzten Jahre gesunken; in manchen Fällen ist der Abschlag gegenüber vergleichbaren Unternehmen aus Industrieländern auf dem höchsten Stand des vergangenen Jahrzehnts. Gleichzeitig sind EM-Unternehmen heute profitabler als 2003, so dass sich die Diskrepanz in der Profitabilität gegenüber den Industrieländern stark verringert hat.

Attraktive Unternehmen finden

Vor diesem Hintergrund dürften EM-Renditen in Zukunft bescheidener ausfallen als in den vergangenen zehn Jahren. Sollen Anleger die Emerging Markets also meiden? Wir denken nicht.

In den unterschiedlichen Märkten gibt es äußerst interessante Unternehmen, selbst in Ländern, die sich wirtschaftlich nicht so gut entwickeln. Dies gilt zum Beispiel für den südafrikanischen Bekleidungsdiskonter Mr Price Group, der trotz der schleppenden Konjunktur des Landes seit einem Jahrzehnt ein Gewinnwachstum von 24% jährlich verzeichnet.

Zudem sind auch Emerging Markets durchaus zu technischen Innovationen in der Lage. Derartige Fortschritte lassen in Taiwan neue Marktführer in einer Reihe von Branchen entstehen, etwa im Bereich der Textilien, Halbleiter und wichtigen Industriekomponenten (beispielsweise für den Technologieriesen Apple oder den Automobilhersteller Tesla Motors). Der Aufstieg der Mittelschicht in verschiedenen Emerging Markets schafft neue Nachfragegruppen für so unterschiedliche Unternehmen wie das brasilianische Kreditkartenunternehmen Cielo oder den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Haier. Zudem haben EM-Unternehmen in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch gutes Management, starke Marken und spezialisierte Technologien an die Weltspitze aufgeschlossen (etwa Tata Consultancy Services oder Hyundai Motor).

Noch immer viele Alpha-Chancen

Aber gibt es in den Emerging Markets noch Chancen, Alpha – d.h. Renditen über dem Markt – zu erzielen? Tatsächlich zeigt unser Research, dass diese Märkte noch immer deutlich ineffizienter sind und ein weitaus größeres Alpha-Potenzial bieten als die Industrieländer. Faktoren wie Bewertung, Kursmomentum und Bilanzqualität waren in den Emerging Markets zudem deutlich verlässlichere Katalysatoren für Überrenditen bei Aktien als in Industrieländern (Grafik).

Viele Tools zur Alpha-Erzielung funktionieren in Emerging Markets besser als in Industrieländern

Andere Tools sind weniger effektiv. So erwies sich beispielsweise undifferenziertes Investieren in Unternehmen mit hohem Umsatzwachstum in den meisten Regionen der Welt als keine gute Anlagestrategie, und dies gilt auch für die Emerging Markets. Unser Research zeigt zudem, dass der Fokus auf das Wirtschaftswachstumspotenzial eines Landes den Anlegern nur wenig bis gar nichts darüber ausgesagt hat, welche EM-Länder oder Aktien sich am besten entwickeln würden. Mexiko zum Beispiel gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den EM-Ländern mit dem geringsten Wachstum, hatte im gleichen Zeitraum aber einen der stärksten Aktienmärkte.

Eine Formel für Investitionen in Emerging Markets

Für erfolgreiche Investitionen in den Emerging Markets müssen Anleger neben den Kennzahlen jene Unternehmen zu finden verstehen, die am besten in der Lage sind, im neuen Umfeld zurechtzukommen. Dies erfordert disziplinierte Recherchen, profundes lokales Wissen und globale Branchenkenntnisse – ebenso wie einen kritischen Blick.

Wie sich das Potenzial der Emerging Markets am besten nutzen lässt, hängt von den Renditeanforderungen und der Risikotoleranz im jeweiligen Einzelfall ab. Grundsätzlich aber lässt sich sagen: Eine Abkehr von der Benchmark und eine Konzentration auf Unternehmen mit einem starken Kapitalmanagement, guten Aussichten auf positive Gewinnüberraschungen und attraktiven Bewertungen dürfte eine lohnende Formel für Anlagen in Emerging Markets sein – selbst nach dem Ende des Beta-Trades.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

Nach dem Beta-Trade in den Emerging Markets
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