Wird das neue griechische Drama die Peripherie bedrohen?

By Darren Williams 27. Oktober 2014

Die Märkte reagieren alles andere als gelassen auf Griechenlands Pläne, den Rettungsschirm frühzeitig zu verlassen. Auch die Aussicht auf vorgezogene Wahlen sorgt nicht gerade für Ruhe. Die Folge ist ein heftiger Ausverkauf griechischer Staatsanleihen, und einmal mehr befürchten die Anleger eine Ansteckung der anderen Peripherieländer.

Die griechische Regierung verhandelt gerade über ein Ende der Hilfen zum Jahresende. Nach der derzeitigen Vereinbarung enden die europäischen Hilfskredite zum Jahreswechsel, das IWF-Programm aber erst Anfang 2016.

Premierminister Antonis Samaras hat ein vorzeitiges Ende des IWF-Programms für Griechenland vorgeschlagen – in der Hoffnung, dass ein sauberer Ausstieg aus beiden Kreditprogrammen zum Jahresende seine Wahlaussichten verbessert. Griechenland behauptet, seinen Finanzbedarf auch ohne ausländische Hilfe decken zu können. Aber EU und IWF haben Zweifel. Und dem jüngsten Ausverkauf griechischer Staatsanleihen zufolge trauen auch die Finanzmärkte Griechenland nicht wirklich zu, ohne externe Hilfen auszukommen – zumal die politischen Risiken zunehmen. Da jetzt aber Zweifel am Kapitalmarktzugang aufkommen, dürfte Griechenland zumindest weiter auf EU-Garantien angewiesen sein.

Ein präsidentielles Hindernis

Die Verhandlungen über Griechenlands Ausstieg aus dem Rettungsprogramm kommen für die Regierung Samaras zu einem schwierigen Zeitpunkt. Denn die erfolgreiche Wahl eines neuen griechischen Staatspräsidenten wird immer unwahrscheinlicher. Gelingt sie nicht, muss nächstes Jahr das Parlament neu gewählt werden.

Der griechische Staatspräsident wird nicht direkt vom Volk, sondern alle fünf Jahre vom Parlament gewählt. Wenn es keine Drei-Fünftel-Mehrheit für einen Kandidaten zustande bringt, wird es aufgelöst und neu gewählt. Die Oppositionsparteien sind daher versucht, jeden Kandidaten des Regierungslagers zu blockieren und eine vorgezogene Neuwahl zu erzwingen. Genau das passiert zurzeit.

Viele Oppositionsfraktionen, angeführt von der Koalition der radikalen Linken (Syriza), wollen im kommenden Frühjahr den Kandidaten der Regierung blockieren – in der Erwartung, dass sie aus einer vorgezogenen Neuwahl gestärkt hervorgehen. Den aktuellen Meinungsumfragen zufolge könnte Syriza bei einer vorgezogenen Wahl fast die Hälfte der Sitze gewinnen und damit vielleicht die nächste Regierung bilden.

Finanzmärkten und europäischen Politikern ist es bei solchen Aussichten alles andere als wohl. Die traditionelle Anti-Establishment-Politik von Syriza dürfte die Beziehungen zu Griechenlands Kreditgebern auf eine harte Probe stellen.

Griechische Anleiherenditen schnellen in die Höhe

Die wachsenden Zweifel an den griechischen Finanzen und der politischen Lage, aber auch die unsichere Weltkonjunktur hatten einen heftigen Ausverkauf griechischer Staatsanleihen zur Folge. Die Zehnjahresrendite ist auf 8,0% gestiegen. Anfang September hatte sie noch 5,6% betragen.

Ausverkauf in Griechische

Wahrscheinlich wird nächstes Jahr neu gewählt. Der Verkaufsdruck auf griechische Anleihen wird dann zunächst anhalten. Sehr genau achten wir auch auf ein mögliches Übergreifen auf andere Peripheriemärkte. In den letzten Jahren haben die Investoren zwar stärker zwischen Griechenland und den anderen Peripherieländern differenziert, doch könnte es bei einer vorgezogenen Neuwahl erneut zu Dominoeffekten kommen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch Investmentberatung oder Anlageempfehlungen. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder. AB ist von der britischen Finanzmarktaufsicht genehmigt und wird von ihr beaufsichtigt. 

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