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Sind asiatische Aktien außerhalb Japans bereit für ein Comeback?

By Stuart Rae 15. Oktober 2014

Während Aktien aus Industriestaaten weiter mehrjährige Höchststände erklimmen, sind Wertpapiere aus den Emerging Markets – insbesondere Aktien aus Asien ohne Japan – ins Stocken geraten. Ist die Zeit für Anleger gekommen, diese Region näher zu betrachten?

In den vergangenen Jahrzehnten stellten die Volkswirtschaften der Emerging Markets zu einem großen Teil den Motor des globalen Wirtschaftswachstums dar. Doch in den letzten zwei bis drei Jahren hinken Emerging-Markets-Aktien der Rally in Industrieländern hinterher, vor allem in Asien. Die Wirtschaftsreform in China hat Bedenken hinsichtlich einer Wachstumsabschwächung ausgelöst, und politische Unsicherheiten in großen Volkswirtschaften wie Indien, Indonesien und Thailand haben Anlegern viele Kopfschmerzen bereitet. Sorgen, dass eine etwaige Beendigung des Anleihenankaufprogramms der US-Notenbank zum Abzug von Kapital aus den Emerging Markets führen würde, wirkten sich ebenfalls negativ aus.

Frühe Phasen der Erholung

Trotz aller Vorsicht fügt sich am Ende aber vielleicht doch noch alles zusammen. In der Tat erlebten viele asiatische Märkte in den letzten Monaten eine solide Erholung. Doch noch sind sie nicht voll in Schwung. Teile des Marktes liegen noch im Hintertreffen – nach unserer Auffassung zu Unrecht – und bieten vielleicht die attraktivsten Anlagechancen, wenn die Erholung Fahrt aufnimmt. Mit anderen Worten: Bei günstigen Aktien aus Asien ohne Japan – also Aktien, deren Gewinnpotenzial nach wie vor unterschätzt wird – steht vielleicht eine Erholung an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Asien ist bei der jüngsten Erholung an den Aktienmärkten zurückgeblieben

Die Fundamentaldaten sind gegeben

Die stetige Erholung der Industrieländer in den letzten Jahren förderte Verbesserungen in der Region. Die Fundamentaldaten von Unternehmen in Asien ohne Japan sahen gut aus, sogar als der Markt Anfang 2014 eine Schwächephase erlebte. Den Konsenserwartungen zufolge werden die Gewinne von Unternehmen im MSCI Asia ex Japan Index 2014 und 2015 voraussichtlich um 11% steigen – im Vergleich zu etwa 9% im Jahr 2013.

Makroökonomische Unsicherheiten haben zumeist nachgelassen. China hat gezielte geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ergriffen, um eine kurzfristige Wachstumsstütze und die Notwendigkeit weiterer langfristiger Reformen in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Der Ausgang der Wahlen in Indien und Indonesien ist an den Märkten auf positive Resonanz gestoßen, und in Thailand hat die Führung nach einem Militärputsch im Mai die Stabilität wiederhergestellt.

Wertpotenziale

Nach unserer Einschätzung bieten einzelne Unternehmen, Industrien und Länder in Asien Wertpotenziale. Wir messen dies mit Hilfe von Bewertungsspreads – der Differenz zwischen den Bewertungen (z. B. dem Kurs-Gewinn- und dem Kurs-Buchwert-Verhältnis) der billigsten und der teuersten Aktien am Markt.

Der Bewertungsspread für Asien ohne Japan als Ganzes liegt über dem langfristigen Marktdurchschnitt. Während die Spreads in den einzelnen Ländern ziemlich unterschiedlich ausfallen, deuten sie am chinesischen und taiwanesischen Markt auf ein außerordentliche Chancen hin. Bewertungsspreads in derart provokativer Höhe haben wir zuletzt 2009 erlebt und erwiesen sich im Nachhinein als großartiger Einstiegspunkt in den Markt „Asien ex Japan“ (Abbildung 2).

Abbildung 2: China und Taiwan bieten gute Werte

Die „Risk-off“- oder „Risk-on“-Mentalität, die auf dem Höhepunkt der jüngsten Finanzkrisen der Flucht in Qualitätswerte Vorschub verliehen hat, lässt heute nach. Das lässt sich an einem deutlichen Rückgang der durchschnittlichen Korrelation von Aktienkursen seit den Spitzenständen 2012 erkennen. Für den Markt im Allgemeinen und Stock-Picker im Besonderen sind das positive Nachrichten. Nach unserer Auffassung stellen gegenläufige Positionen in unterbewerteten Aktien eine gute Möglichkeit dar, um sich in Asien ohne Japan zu engagieren, denn Anleger freunden sich mehr mit der Region an und haben mehr Vertrauen in lohnenswerte solide Fundamentaldaten der Unternehmen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

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