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Chinas Reformen ebnen Aktien den Weg

By Stuart Rae, John Lin 18. September 2014

Wer in chinesische Aktien investieren will, konnte bislang entweder teure Wachstumswerte kaufen oder riskante Wetten gegen den Markt eingehen. Dank der Reformen in China gibt es heute eine dritte Möglichkeit, die ein ausgewogeneres Risiko-Ertrags-Profil bieten könnte.

Ungeachtet aller Nachrichten über ein schwächeres Wachstum, engerer Credit-Spreads und des Risikos von Zahlungsausfällen chinesischer Unternehmen, wollen Investoren noch immer von den guten Mittel- und Langfristaussichten des Landes profitieren. Ein Grund dafür ist, dass man heute über verschiedene Wege in chinesische Aktien investieren kann, beispielsweise im Rahmen des staatlichen Renminbi Qualified Foreign Institutional Investor Programme oder über das Shanghai-Hong Kong Stock Connect Programme, das bald eingeführt werden soll.

Mehr als immer nur Wachstumswerte

Auch die Auswahl der möglichen Strategien wächst, weil sich die Wirtschaftsstruktur und das Finanzumfeld verändern. Früher haben Anleger in China entweder in Wachstumswerte oder gegen die Marktmeinung investiert – oder beides zugleich. Schon heute gibt es chinesische Aktien mit enormem Wachstumspotenzial, beispielsweise in Sektoren, die sich grundlegend verändern, wie die Medien und das Internet, oder in Nischen, die auch weiterhin von der wirtschaftlichen Entwicklung und demografischen Veränderungen profitieren, beispielsweise der Umwelt- und der Gesundheitssektor. Der Nachteil ist, dass diese Aktien üblicherweise sehr hoch bewertet und manchmal nicht leicht zu finden sind. Auch die Corporate Governance kann ein schwieriges Thema sein: Denken wir nur an die Bilanzskandale einiger chinesischer Unternehmen mit Börsennotierung in den USA.

Wer sich gegen die Marktmeinung stellt, investiert hingegen in sehr billige Aktien. Das ist hochriskant, kann sich aber - wenn alles gut geht und die Unternehmen nicht nur überleben, sondern sehr erfolgreich sind - auszahlen. Dieses Risiko will jedoch nicht jeder eingehen.

Schwerpunkt Staatsunternehmen

Dank der Reformen unter Präsident Xi Jinping und Premierminister Li Keqiang, die letztes Jahr an die Macht kamen, gibt es jetzt eine dritte Möglichkeit, in China zu investieren. Hier mögen zwar nicht die exorbitanten Erträge zu erzielen sein, die sich mancher von chinesischen Wachstumsaktien erhofft, aber vielleicht bieten sich Chancen, die weniger risikoreich sind als Wetten gegen den Markt.

Der neue Ansatz resultiert aus den Plänen der Regierung, die Staatsunternehmen (SOEs) rentabler zu machen durch ein Reihe von Maßnahmen, wie Anreize für das Management, Unternehmensumstrukturierungen, Spin-offs und Fusionen. Jede dieser Maßnahmen kann neue Chancen für Investoren eröffnen.

Früher haben Anleger Staatsunternehmen immer gemieden, weil ihre Kapitalrenditen niedriger waren als die von privaten Unternehmen. In den letzten Jahren sind die Unterschiede immer größer geworden (Abbildung). Unserer Einschätzung nach kann sich das dank der Reformen bald ändern. Viel spricht also dafür, dass Anleger allmählich die steigende Rentabilität der Staatsunternehmen für sich nutzen können – wenn sie sich klug positionieren.

Privat- und Staatsunternehmen in China: immer größere Unterschiede

Sektorübergreifend investieren

Interessante Unternehmen gibt es in vielen Sektoren. Beispielsweise lagert Chinas größter Mineralölkonzern Sinopec zurzeit sein Tankstellennetz in ein eigenständiges Unternehmen aus – zehntausende von Tankstellen und die dazugehörige Verwaltung. Durch die Restrukturierung fließt privates Kapital in das Unternehmen, und das Management wird sich jetzt auf Wertschöpfung konzentrieren müssen.

Im Telekommunikationssektor plant die Regierung, den Betrieb der Mobilfunksendemasten dreier großer Unternehmen (China Mobile, China Telecom und China Unicom) in einem eigenständigen Unternehmen zusammenzufassen. Die drei sollen sich die Kosten teilen und dadurch rentabler werden.

Investoren müssen aber bedenken, dass bei Staatsunternehmen die Mehrheit der Aktien naturgemäß immer in den Händen des Staats liegt und Privatanleger deshalb wenig Einfluss auf wichtige Entscheidungen haben - wie die Ernennung von Boardmitgliedern und wichtigen Führungskräften. Von Vorteil ist hingegen, dass Aktien von Staatsunternehmen in der Regel jederzeit zur Verfügung stehen und liquide sind. Zudem sind sie erheblich niedriger bewertet als Wachstumswerte und weniger risikoreich als Wetten gegen den Markttrend.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder.

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