Anleihen

Steigende Zinssätze—gut oder schlecht?

By Douglas J. Peebles, Ivan Rudolph-Shabinsky 11. August 2014

Die Fed sagt, es sei fast sicher, dass sie die Zinsen bis 2015 erhöht. Die Anleiheinvestoren suchen eifrig nach Wegen, mit dem Risiko steigender Zinsen umzugehen. Aber man sollte nicht vergessen, dass es auch Vorteile gibt.

Anleihen reagieren von Natur aus auf Zinsänderungen. Wenn die Zinsen steigen, fallen üblicherweise ihre Kurse. Und da die Kurzfristzinsen bald steigen dürften, werden auch die Zinsen länger laufender Papier nicht auf Dauer niedrig bleiben. Allerdings können steigende Zinsen auch positive Effekte haben, und zwar in allen Anleihesegmenten – von Investmentgrade-Anleihen bis High Yield. Wir meinen, dass ein Zinsanstieg am Ende gut für Anleiheportfolios ist, und mit „am Ende“ meinen wir auf Sicht von nur wenigen Jahren.

Höheren Renditen – langfristig gut

Für die meisten Investoren bietet sich ein Anlagehorizont von fünf Jahren an. Möglicherweise wird es zwischenzeitlich ein bisschen aufregend, vor allem wenn die Märkte volatil sind – und kurzfristige Schwankungen sind bei Hochzinsanleihen eigentlich immer zu erwarten. Wenn man aber einige Jahre Zeit hat, kann man mit Anleihen auch bei steigenden Zinsen erfolgreich sein. In der Vergangenheit war das jedenfalls so.

Wir zeigen Ihnen anhand zweier einfacher Szenarien, wie das funktioniert.

Nehmen wir an, Sie haben ein Portfolio aus Anleihen mit ein bis fünf Jahren Laufzeit, einer durchschnittlichen Rendite von gut 3% und einer durchschnittlichen Duration (Zinsrisiko) von knapp drei Jahren. Im ersten Szenario bleiben die Zinsen stabil. In den nächsten fünf Jahren verdienen Sie dann gut 3% jährlich (blaue Linie in der Abbildung).

Auf längere Sicht sorgen steigende Zinsen für höhere Anleiheerträge

Im zweiten Szenario beträgt die Rendite zu Beginn ebenfalls 3%, aber bereits einen Tag später steigen die Zinsen um 125 Basispunkte und bleiben in den nächsten fünf Jahren stabil (grüne Linie in der Abbildung). Dieser Renditeanstieg führt zu einem anfänglichen Verlust von etwa 3,4%, was sicher schmerzlich ist. Aber am Ende wird dieser Verlust durch die bessere Wertentwicklung ausgeglichen.

Was ist der Grund? Erstens kann man die Coupons zu höheren Renditen anlegen. Die regelmäßigen Erträge sind wichtig: Für Investoren, die wegen der laufenden Erträge in Anleihen investieren, sind steigende Zinsen keine Gefahr, sondern eine Chance. Zweitens steigen die Kurse der Portfoliowerte gegen Ende ihrer Laufzeit auf pari, und man kann auch die Rückzahlungserlöse in Anleihen mit höheren Renditen investieren.

Deshalb ist der Gesamtertrag höher als im ersten Szenario. Nach nicht einmal einem Jahr ist das Portfolio wieder auf seinen Anfangswert gestiegen. Im dritten Jahr hat es wieder den gleichen Wert wie bei stabilen Zinsen. Danach steigt sein Wert weiter – und zwar stärker als bei konstanten Zinsen. Der Break-Even-Punkt, an dem sich die beiden Linien schneiden, entspricht der Portfolioduration – unabhängig davon, wie stark die Zinsen gestiegen sind. Von diesem Zeitpunkt an (in unserem Beispiel etwa ab dem dritten Jahr) ist man dank der höheren Zinsen besser gestellt.

Man kann also sagen, dass steigende Zinsen für einen höheren Gesamtertrag sorgen, solange die Duration des Anleiheportfolios kürzer ist als der Anlagezeitraum.

(Mit Liability Driven Investing verfolgen institutionelle Investoren die gleiche Strategie: Sie kaufen Anleihen mit einer langen Duration, so dass sie sich keine Gedanken über steigende oder fallende Zinsen machen müssen, wenn sie ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen müssen, beispielsweise gegenüber Mitarbeitern im Ruhestand. Mit den länger laufenden Anleihen können sie die Duration ihrer Portfolios an ihren längeren Anlagehorizont anpassen.)

Ein paar Hindernisse

Was ist aber, wenn ein Investor sagt: „Ich warte einfach, bis die Renditen steigen.“ Auch das ist in Ordnung, wenn er zu wissen glaubt, wann und wann sie ihren Höhepunkt erreichen.  Da aber der Geldmarktzins zurzeit kaum mehr als Null beträgt, ist Abwarten eine kostspielige Angelegenheit. Und wer laufende Erträge will, sollte sein Kapital nicht zu lange am Geldmarkt anlegen.

Einige unserer Szenarien sind nicht frei von Risiken. Um höhere Renditen zu erzielen, muss man in High-Yield-Anleihen investieren, bei denen Zahlungsausfälle möglich sind. Jeder Zahlungsausfall würde die Erträge mindern, unabhängig davon, ob die Zinsen steigen oder stabil bleiben. In CCC-Anleihen mit ihren noch höheren Renditen zu investieren, könnte also teuer werden. Unserer Ansicht nach ist es besser, sich in konservativen Portfolios auf BB und B-Anleihen zu beschränken. Sie bieten höhere Renditen als Investmentgrade-Papiere, haben aber ein erheblich geringeres Kreditrisiko als CCC-Anleihen.

Was ist, wenn ein Anleger seine Erträge nicht wieder anlegt, sondern ausgibt? So lange in beiden Szenarien gleich viel Geld ausgegeben wird, sind auch die Break-Even-Punkte gleich, weil in beiden Fällen die Erträge gemindert werden.

Lassen Sie die Zeit für sich arbeiten

Unserer Meinung nach können Investoren mit Anlagehorizonten von mehreren Jahren zuversichtlich sein, dass so gut wie alle langfristigen Anleiheinvestments am Ende mehr wert sind als heute. Und wenn dieser Anlagehorizont länger ist als die Duration ihrer Anlagen, können steigende Zinsen auf längere Sicht sogar günstig sein. Die Herausforderung besteht darin, genug Geduld aufzubringen und die Zeit für sich arbeiten zu lassen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

Steigende Zinssätze—gut oder schlecht?
Back to a top