Anleihen

Staatsanleihen in Europas Peripherieländern sind attraktiv

By Jørgen Kjærsgaard, John Taylor 19. Mai 2014

Investmentgrade-Industrieanleihen aus den europäischen Peripherieländern haben sich hervorragend entwickelt, erscheinen aber mittlerweile teuer. Für Investoren, die in den Peripherieländern anlegen möchten, halten wir jetzt spanische und italienische Staatsanleihen für die bessere Alternative.

Vor ein paar Jahren, während der Staatsschuldenkrise in Europa, wandten sich viele Anleger von den Peripherieländern ab, so dass deren Staats- und Unternehmensanleiherenditen in die Höhe schossen. Jetzt, da sich die Konjunktur wieder erholt hat und die Zinsen so niedrig sind wie nie zuvor, entdecken Anleger auf ihrer Suche nach höheren Erträgen die Peripherieländer neu.

Fairerweise muss man sagen, dass aufgrund der niedrigen Zinsen Anleger aus allen Ländern  intensiv nach höheren Renditen suchen. Aber in Europa ist dieser Wunsch besonders drängend, denn die deutschen Zehnjahresrenditen – die Benchmark für risikoarme Anlagen – betragen nur 1,46% und sind damit mehr als einen Prozentpunkt niedriger als die Renditen laufzeitgleicher US-Staatsanleihen.

Interessante Unternehmensanleihen sind in Peripherieländern rar geworden

Dies trieb die Anleger wieder zurück in Anleihen von Unternehmen aus Europas Peripherie, so dass sich deren Spreads stark verengt haben. Mitte 2012 waren die Renditen von Investmentgrade-Anleihen aus Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien (mit Ausnahme von Finanzanleihen) 4,7 Prozentpunkte höher als die Renditen vergleichbarer deutscher Titel. Ende April waren es nur noch magere 1,05 Prozentpunkte, also kaum mehr als die 96 Basispunkte Aufschlag, den gut bewertete Unternehmensanleihen aus den europäischen Kernländern bieten (Abbildung).

Die Spreads von Unternehmensanleihen der Peripherieländer sind stärker zurückgegangen

Wer früh genug dran war, hat vom raschen Spreadrückgang profitiert. Aber engere Spreads bedeuten auch, dass es jetzt schwieriger ist, Geld zu verdienen. Wer mit Unternehmensanleihen der Peripherieländer jetzt noch attraktive Erträge erzielen will, könnte auf verlorenem Posten stehen. Und falls die Anleger das Interesse an dieser Assetklasse verlieren, drohen recht hohe Verluste.

Spotten Sie nicht über Staatsanleihen

Da es immer schwieriger wird, mit Unternehmensanleihen Mehrwert zu erzielen, halten wir Peripheriestaatsanleihen, vor allem mittel- bis langlaufende, für die bessere Wahl.

Einige von Ihnen werden jetzt überrascht sein. Schließlich waren es genau jene Staatsanleihen, die die Anleger in dunkelsten Tagen der Schuldenkrise gar nicht schnell genug loswerden konnten. Richtig ist auch, dass die Renditen von Peripherieländerstaatsanleihen längst nicht mehr so hoch sind wie während der Krise.

Allerdings sind – anders als bei Unternehmensanleihen – die Spreads (und damit die Renditen) langlaufender Unternehmensanleihen der Peripherieländer gegenüber Bundesanleihen noch immer recht hoch, höher jedenfalls als bei Kurzläufern. Investoren können hier also höhere Erträge erzielen und gehen zugleich geringere Kreditrisiken ein als mit laufzeitgleichen Unternehmensanleihen.

Vor allem dreißigjährige Staatsanleihen aus Spanien und Italien zahlen einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen. Zudem waren sie in der Vergangenheit während Krisen weniger volatil als Zehnjahresanleihen – und sie bieten ein recht ordentliches Sicherheitspolster, falls sich die Marktstimmung in Europa verschlechtert.

In der Regel muss man bei einer Umschichtung in die höher rentierlichen Staatsanleihen noch nicht einmal auf Kreditqualität verzichten. Ihre Ratings entsprechend denen von Unternehmensanleihen. Tatsächlich haben sich die Ratings von Investmentgrade-Unternehmensanleihen aus den Peripherieländern sogar verschlechtert, obwohl die Renditen zurückgegangen sind. Mitte 2012 lagen ihre Ratings zwischen A- und BBB+. Heute werden sie von den Agenturen nur noch mit BBB+ bis BBB bewertet, also genauso wie Staatsanleihen.

Risiko und Ertrag

Einige Investoren könnten geneigt sein, sowohl auf Staats- als auch auf Investmentgrade-Unternehmensanleihen zu verzichten und sich stattdessen Papieren mit noch niedrigeren Ratings zuwenden. Bei Peripherieländeranleihen halten wir das für problematisch. Aufgrund der großen Nachfrage sind auch ihre Renditen gefallen, so dass heute sogar viele Junkbonds mit CCC-Rating weniger als 5% Rendite abwerfen.

Auch hier müssen Anleger darauf achten, dass sie für das Risiko kompensiert werden. Die Peripherieländer erholen sich zwar, stehen aber noch immer vor einigen Herausforderungen. Deshalb sollte man Anleihen von Unternehmen, deren Erfolg von der Nachfrage aus den Peripherieländern abhängt, sehr genau analysieren, bevor man sich für sie entscheidet. Das wird bei der Suche nach höheren Renditen unsere Ansicht nach häufig übersehen.

Wir sind davon überzeugt, dass Europa trotz aller noch immer vorhandenen Probleme über den Berg ist und erwarten, dass die Dynamik anzieht, wenn sich die Weltwirtschaft stärker erholt. Anleiheinvestoren sollten ihr Anlageuniversum erweitern und sektorübergreifende Ansätze in Betracht ziehen, die nicht nur die Chance auf Wertzuwachs, sondern auch attraktivere Renditen versprechen.

Übersetzung aus dem Englischen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch dienen sie als  Investmentberatung oder Anlageempfehlung. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wider.

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