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Sicherheitscheck: Was tun, wenn die Aktienmärkte fallen?

By Sharon Fay, Kent Hargis 20. Mai 2014

Für viele Investoren steht der Schutz vor Kursverlusten an erster Stelle. Aktien mit geringer Volatilität erscheinen jedoch zurzeit hoch bewertet. Können sie trotzdem nützlich sein, wenn die Aktienmärkte wieder fallen?

Das Interesse an Aktien mit geringer Volatilität ist in den letzten Jahren stark gestiegen, weil die Anleger auf den nächsten Abschwung vorbereitet sein wollen. Deshalb erscheinen sie  heute recht teuer.

In puncto Aktienanlagen empfehlen wir einen ausgewogenen Ansatz – d.h. Aktien, die in turbulenten Zeiten stabil bleiben. Unserer Ansicht nach sollten Investoren ertragsorientierte Strategien, die üblicherweise etwas risikoreicher sind, mit defensiveren Papieren kombinieren, die bei Kursschwankungen vor zu großen Verlusten schützen. Unser Research zeigt, dass sich damit stabilere Erträge erzielen lassen. Wie Anleger im Einzelnen investieren sollten, hängt von den langfristigen Zielen und der Risikobereitschaft ab.

Aber können Strategien, die einen gewissen Schutz vor Verlusten bieten sollen, heute wirklich die an sie gestellten Erwartungen erfüllen? Um diese Frage zu beantworten, haben wir einen Blick zurück geworfen. Wir haben einen eigenen Index aus internationalen Aktien mit geringer Volatilität zusammengestellt und seine Entwicklung von 1989 bis heute betrachtet. Diese Aktien waren weniger konjunktursensitiv und volatil als der Markt, und ihre Erträge korrelierten weniger mit dem Markt als die Erträge anderer Aktien.

Aktien mit geringer Volatilität sind teuer …

Ende April war das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Minimum Variance-Index etwa 19% höher als das des MSCI World Index. Das ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber Anfang 2009, als der Bewertungsunterschied 43% betrug. Aber gegenüber dem 25-Jahre- Durchschnitt ist die Bewertung noch immer hoch (Abbildung).

Aktien mit geringer Volatilität sind vergleichsweise teuer

In turbulenten Marktphasen verzeichneten diese Aktien üblicherweise weniger Verluste. Unser Research hat gezeigt, dass der Index den Gesamtmarkt in Monaten mit Kursverlusten in 83% der Zeit geschlagen hat.

… schützen aber trotzdem vor zu großen Verlusten

Und die Bewertung? Um diese heute wichtige Frage zu beantworten, haben wir den Gesamtzeitraum in Phasen aufgeteilt, in denen Aktien mit geringer Volatilität teurer oder billiger waren als der Gesamtmarkt.

Das Ergebnis: Es gab keine nennenswerten Unterschiede. Die Performance des Minimum Variance-Index war unabhängig von seiner Bewertung in 80% der Monate mit fallenden Aktienkursen besser als die des Gesamtmarkts (Abbildung). Und in 20% der Monate, in denen er keinen Mehrertrag erzielte, zahlte sich das Konzept in den Folgemonaten aus. Wenn die Aktienmärkte drei bis sechs Monate in Folge fielen, verbuchten teurere Aktien mit geringer Volatilität geringere Verluste und erfüllten ihre Aufgabe sogar besser als preisgünstige.

Aktien mit geringer Volatilität bieten unabhängig von ihrer Bewertung Schutz

Dafür gibt es eine plausible Erklärung. Die Bewertung hängt nicht notwendigerweise davon ab, ob eine Aktie defensiv ist oder nicht. Aber es sind die defensiven Aktien, die weniger sensibel auf Veränderungen von Wachstums- und Zinserwartungen reagieren, die häufig kurze Markteinbrüche auslösen.

Funktioniert das immer?

Das hängt vom Marktumfeld ab. Wenn die Marktteilnehmer beispielsweise steigende Zinsen erwarten, ohne dass das Wachstum anzieht, bieten Aktien mit geringer Volatilität einen weniger guten Schutz als üblich. 1994 entwickelten sich Aktien mit geringer Volatilität in einer Baisse sogar unterdurchschnittlich und erzielten auch in den darauffolgenden drei Monaten nur durchschnittliche Erträge, als die Fed die Zinsen unerwartet stark anhob und damit das Wirtschaftswachstum gefährdete.

Aber heute ist das anders. Die Fed hat klar gesagt, dass die Zinsen nur dann steigen, wenn sich die Konjunkturaussichten in den USA verbessern. Wenn man die Vergangenheit fortschreiben kann, werden Aktien mit geringer Volatilität – auch wenn sie ein bisschen teurer sind als gewöhnlich – einen gewissen Schutz vor Verlusten bieten, wenn die Aktienmärkte wieder fallen. Und mit einem aktiven Ansatz können darüber hinaus Aktien gemieden werden, die besonders unter einem nachhaltigen Zinsanstieg leiden – und so die Erfolgschancen bei fallenden Märkten erhöht werden.

Übersetzung aus dem Englischen.

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