Ein Neubeginn für Europas Peripherie?

By Darren Williams 07. Mai 2014

Als Mario Draghi im Juli 2012 versprach, „alles Nötige” zu tun, um den Euro zu retten, hat niemand so schnelle Fortschritte erwartet. Seitdem sind die Peripherieländeranleihen kräftig gestiegen und haben zur Erholung des Euroraums beigetragen. Aber wie nachhaltig kann dies sein, wenn die Peripherieländer nicht mehr unter dem europäischen Rettungsschirm stehen? 

Das Versprechen von EZB-Präsident Draghi war ein entscheidender Wendepunkt. Weniger als zwei Jahre danach sind die Finanzierungskosten der geretteten Länder wieder auf ihrem Vorkrisenniveau – und in einigen Fällen fast auf Allzeittiefs gefallen  (Abbildung). Aufgrund des günstigen Marktumfelds hat Irland den Rettungsschirm verlassen und sich damit auch von einer Reihe strenger Vorgaben befreit; Portugal und Griechenland wollen folgen. Diese Rückkehr an den Kapitalmarkt ist ein großer Fortschritt.

Rückgang der Peripherieländerspreads

Irland macht den Anfang

Alles begann im letzten Dezember, als Irland nach drei Jahren den Rettungsschirm der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) verließ. Von da an erhielt das Land zwar keinerlei Unterstützung mehr, war aber auch wieder frei in seinen Entscheidungen. Unserer Meinung nach war der „saubere Ausstieg“ gerechtfertigt. Irlands Zahlungsbilanz war eindeutig positiv, das Land konnte sich zu niedrigen Zinsen finanzieren, der kurzfristige Finanzierungsbedarf war überschaubar und die Konjunktur zog an.

Als nächstes ist Portugal an der Reihe. In den letzten vier Monaten hat Portugal durch die Emission von Anleihen an den internationalen Kapitalmärkten 15,5 Mrd. Euro seines kurzfristigen Finanzbedarfs gedeckt. Der Höhepunkt war die Wiederaufnahme von regulären Anleiheauktionen letzte Woche. Wir gehen davon aus, dass Portugal  einen „sauberen Ausstieg“ ankündigen wird, wenn das Rettungsprogramm am 17. Mai ausläuft. Möglicherweise ist das Land aber nicht so gut auf die Selbständigkeit vorbereitet wie seinerzeit Irland. Dennoch machen die enormen Fortschritte der letzten Zeit einen erfolgreichen Ausstieg heute erheblich wahrscheinlicher, als wir noch vor ein paar Monaten dachten.

Ein Ausstieg auch für Griechenland?

Es bleibt noch Griechenland. Die griechischen Politiker sind eindeutig gegen ein drittes Rettungspaket der EU im Anschluss an das Ende 2014 auslaufende Programm. Aber ob Griechenland ohne zusätzliche Kredite auskommt, hängt davon ab, ob es die relativ geringe Summe von 11 Mrd. Euro für 2014 und 2015 (nach Schätzungen des IWF) am Kapitalmarkt aufnehmen kann.

Bis vor kurzem erschien es undenkbar, dass Griechenland den Rettungsschirm Ende 2014 verlässt. Aber die zuletzt enormen Fortschritte und die erfolgreiche Anleiheauktion in diesem Monat – nur zwei Jahre nach dem größten Zahlungsausfall, seit es Staatsanleihen gibt – machen es wahrscheinlicher, dass Griechenland seinen recht geringen Finanzierungsbedarf am Markt decken kann. Die Chance auf einen Ausstieg noch in diesem Jahr ist unserer Ansicht nach gestiegen. Allerdings wäre er keine Lösung für die fundamentalen Probleme des Landes. Und wenn der Druck von außen nachlässt, könnten auch wichtige Reformen mit weniger Nachdruck umgesetzt werden.

Herausforderungen bleiben

Unserer Einschätzung nach ist das letzte Wort über das Schicksal von Ländern, die den Rettungsschirm verlassen, nicht gesprochen. Trotz wichtiger Fortschritte stehen die Peripherieländer noch immer vor großen Herausforderungen. Nicht alle notwendigen Strukturreformen sind bereits umgesetzt. Die Politik muss nicht nur zeigen, dass die Erholung dauerhaft ist, sondern auch die hohe Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen.

Hinzu kommt, dass die Verschuldung nach wie vor extrem hoch ist. Griechenland hat Staatsschulden in Höhe von 175% des BIP, Portugal 129% und Irland 124%. Um sie langfristig stabil zu halten, sind eine restriktiven Fiskalpolitik und wachstumsfördernde Maßnahmen weiterhin notwendig.

Übersetzung aus dem Englischen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch Investmentberatung oder Anlageempfehlungen. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder. AB ist von der britischen Finanzmarktaufsicht genehmigt und wird von ihr beaufsichtigt. 

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