Aktien / Anleihen

Anlageklassenübergreifend investieren und die Erholung Europas nutzen

By Tawhid Ali, Jørgen Kjærsgaard 22. April 2014

Europa erholt sich. Wer jetzt erfolgreich investieren will, muss unserer Meinung nach einen einzelwertorientierten Ansatz wählen, um durch die Auswahl von Aktien und Anleihen Fehlbewertungen zu nutzen.

In der Euroraumkrise scheint das Schlimmste nun überwunden zu sein. Nachdem die Länder mit den größten Problemen im letzten Jahr der Rezession entkommen sind, findet die Erholung nun auf breiter Front statt. Nach unseren Prognosen dürfte die Euroraum-Wirtschaft in diesem Jahr um 1,3% wachsen. Die Indikatoren für die Industrie sind gestiegen, die Arbeitslosigkeit beginnt zu sinken, und der Geschäftsklimaindex liegt über seinem langfristigen Durchschnitt.

Natürlich gibt es noch immer Risiken. Frankreich und Italien schwächeln, der Euro könnte stark aufwerten, und nach wie vor droht Deflation. Alles in allem denken wir aber, dass Europa nach Rezession und Krise jetzt wieder ein leichtes Wachstum und Stabilität verspricht. Wie können nun Anleger mit unterschiedlichen Risikoprofilen in diesem noch immer nicht einfachen Umfeld erfolgreich investieren?

Von der Krise zur Stabilität

Unserer Meinung nach, sollte man dazu drei Komponenten beachten: (1) die durch die Krise entstandenen Fehlbewertungen erkennen, die zugleich Chancen sind; (2) sowohl Aktien als auch Anleihen in Betracht ziehen und (3) die Einzelwerte sehr sorgfältig auswählen, um Unternehmen zu meiden, die noch immer unter den Folgen der Krise leiden.

Europas Unternehmen sind heute in einer erheblich besseren Verfassung als vor der Krise. 2012 verfügten sie über etwa 800 Mrd. Euro Liquidität (letzte verfügbare Daten), 36% mehr als 2007. Im gleichen Zeitraum sind die Verschuldungsgrade um etwa 10 Prozentpunkte auf 48% gefallen. Dabei ist die Rentabilität noch immer niedrig: Die Eigenkapitalrendite liegt deutlich unter ihrem langfristigen Durchschnitt (Abbildung links). Die Gewinne europäischer Unternehmen haben offenbar noch viel Potenzial, das bislang von den Märkten unzureichend honoriert wird, so dass auch die Kurse noch steigen können.

Europäische Aktien: Fehlbewertungen und Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne

Fehlbewertungen an den Aktienmärkten nutzen

Aktieninvestoren bevorzugen noch immer Titel mit niedrigem Beta, weil sie als sicherer gelten als marktsensitive Werte. Deshalb sind die Bewertungsunterschiede zwischen diesen beiden Marktsegmenten nach wie vor sehr hoch (Abbildung rechts).

Unterdessen sind die auf dem Höhepunkt der Krise extrem hohen Korrelationen weiter gefallen. Aktien bewegen sich also nicht mehr im Gleichlauf und spiegeln auch nicht mehr die schlimmsten Konjunkturängste der Marktteilnehmer wider. In diesem Umfeld ist es unserer Meinung nach am besten, sich auf Einzelwertstrategien zu konzentrieren. Mit intensivem Fundamentalresearch lassen sich Unternehmen finden, die bislang noch von den Märkten übersehen wurden, deren Gewinne aber langfristig stark wachsen können. Eine Investition dürfte sich dann früher oder später auszahlen.

Schwerpunkt High Yield

Auch Anleiheinvestoren sollten sich der immer stabileren Bilanzen bewusst sein. Da europäische Unternehmen weiter Schulden abbauen, fällt ihnen der Schuldendienst zunehmend leichter. Die Risikoprämien dürften also zurückgehen und die Ausfallquoten niedrig bleiben.

Für Investoren in europäische Hochzinsanleihen sind das gute Nachrichten. Der High-Yield-Markt ist in den letzten Jahren extrem gewachsen (Abbildung unten). Dies wird sich fortsetzen, weil sich die Unternehmen immer seltener über Bankkredite finanzieren und stattdessen häufiger Anleihen emittieren.

Europäische High-Yield-Anleihen: Mehr Auswahl an einem wachsenden Markt

Da die Banken in den nächsten zwei Jahren weniger Kredite vergeben, um die Anforderungen von Basel III zu erfüllen, werden viele Schuldner den Kapitalmarkt nutzen und High-Yield-Anleihen emittieren. Um attraktive Erträge zu erzielen, gilt es, genau zu selektieren und die Spreu vom Weizen zu trennen. Da immer mehr Emittenten an den Markt kommen, müssen Anleger bei ihrer Auswahl noch sehr viel sorgfältiger vorgehen, um nur in die meistversprechenden Papiere zu investieren.

Außerhalb des Finanzsektors würden wir Emittenten mit BB-Rating meiden. Ihre Spreads sind eng, so dass es hier schwerer ist, Erträge zu erzielen. Industrieanleihen mit B-Rating versprechen hingegen hohe Renditen, und Anleger erhalten einen angemessenen Ausgleich für die Risiken. Für Investoren ist das aktuelle Marktumfeld nicht einfach, aber sehr spannend. Für Investoren, die an allen Märkten nach Chancen Ausschau halten und einen aktiven Ansatz verfolgen, gibt es unserer Ansicht nach viele verschiedene Wege, um das Potenzial der bevorstehenden Erholung Europas zu nutzen. Für jedes Risikoprofil dürfte es passende Anlagen geben.

Übersetzung aus dem Englischen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch Investmentberatung oder Anlageempfehlungen. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder. AB ist von der britischen Finanzmarktaufsicht genehmigt und wird von ihr beaufsichtigt. 

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