Aktien

Value-Aktien erobern das Parkett und gewinnen an Attraktivität

By Chris Marx 24. Februar 2014

Die weltweiten Aktienmärkte nähern sich neuen Höchststanden, die Bewertungen sind eher hoch, und immer häufiger ist am Markt von Preisblasen die Rede. Zugleich war das Mehrertragspotenzial von Value-Aktien nach unseren Analysen selten so hoch wie heute. Wie kann das sein?

Wir sehen den Grund in den noch immer vorhandenen Krisenreflexen des Marktes. Die Anleger fürchten keine systemische Katastrophe mehr, blicken aber noch immer vorsichtig in die Zukunft – denn die westliche Geldpolitik steht vor einem Richtungswechsel, und die weltweite Konjunktur bleibt instabil. Tatsächlich sind die Bewertungen im letzten Jahr durchweg gestiegen. Am stärksten betraf das aber bereits beliebte, hoch bewertete Titel (meist von Unternehmen mit besonders schnellem oder auf kurze Sich sicherem Gewinnwachstum). Eher umstrittene, niedrig bewertete Aktien fristeten dagegen bislang ein Schattendasein.

Nach dem Kursfeuerwerk des letzten Jahres werden die Aktien des teuersten Quintils weltweit derzeit mit dem 8,1-fachen ihres Buchwert gehandelt. Das ist fast viermal so viel wie der Aktienmarkt insgesamt und der zweithöchste Aufschlag seit 1971 (Abbildung 1); die KGVs sind ähnlich hoch. Das billigste Quintil dagegen ist für das 0,9-fache seines Buchwerts zu haben; der Abschlag gegenüber dem Gesamtmarkt beträgt 57%. Absolut wie relativ gesehen entspricht das in etwa dem langfristigen Durchschnitt.

2013 war das Jahr der teuren Aktien

In der Vergangenheit haben sich nach derart starken Bewertungsunterschieden Substanzwerte stets deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Denn entweder lösten sich die Unklarheiten auf, die der schwächeren Entwicklung zugrunde lagen, oder billige Aktien wurden einfach zu attraktiv, um ihnen noch zu widerstehen.

Zum letzten Mal blieben Value-Aktien in einer Hausse Ende der 1990er Jahre so deutlich hinter teureren Titeln zurück – damals verwiesen heiß begehrte Technologie- und Telekom-Aktien alles andere auf die hinteren Plätze. Nachdem diese Blase geplatzt war, setzen sich Substanzwerte wieder an die Spitze und verzeichneten erhebliche Mehrerträge, die ihre vorher unterdurchschnittliche Wertentwicklung mehr als ausglichen. Heute sind die Spreads erneut sehr weit. Wir sehen deshalb langfristig große Erfolgschancen für Strategien, die sich auf günstige Aktien konzentrieren und auf teure verzichten.

Zu den am höchsten bewerteten Aktien in unserem weltweiten Universum zählen große Teile der Sektoren zyklische Konsumgüter, Konsumverbrauchsgüter, Medizin und Technologie (Abbildung 2). Bei vielen dieser Aktien kommt der Bewertungsaufschlag von ihrem wohl verdienten Ruf als sicherer Hafen, zugleich finden sich unter ihnen aber auch viele extrem hochkapitalisierte, schnell wachsende Internetfirmen wie Amazon, Facebook oder Netflix. Unter den billigen Aktien dominieren die Finanzbranche und andere zinssensible Sektoren wie Wohnimmobilien und Versorger, die sich 2013 jeweils rund 20% schwächer entwickelten als der Marktdurchschnitt.

Teure Aktien machen die Hälfte des Marktes aus

Die Marktkapitalisierung im teuersten Quintil beträgt im Durchschnitt 17,5 Mrd. Dollar, fast doppelt so viel wie im billigsten Quintil. Zugleich entfällt die Hälfte der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung mittlerweile auf die beiden teuersten Quintile.

Dies hat erhebliche Folgen für passive, marktkapitalisierungsgewichtete Index-Strategien, die gezwungen sind, diese riskante Konzentration blind abzubilden. Für Einzelwertspezialisten dagegen ist ein Umfeld wie das heutige geradezu ideal. Tatsächlich gibt es nach unseren Analysen im Value-Bereich eine Vielzahl an Investmentchancen. Denn anhaltende Ängste sorgen dafür, dass manche billige Aktien gegenüber den teureren Werten so niedrig bewertet sind wie zuletzt vor 40 Jahren – und zwar in allen Sektoren. Es könnte zwar noch eine Weile dauern, bis auch andere Anleger Interesse zeigen. Wir aber sind der Meinung, dass es sich schon heute auszahlen kann, die bisherigen Mauerblümchen unter den Value-Aktien zum Tanz zu bitten.

Übersetzung aus dem Englischen.

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