Aktien / Emerging Markets

Strategien für die Emerging Markets 3.0

By Sammy Suzuki 09. August 2013

Vor 25 Jahren wurde der Emerging-Market-Aktienindex eingeführt. Seitdem hat sich viel verändert. Heute, so unsere Meinung, befinden sich die Emerging Markets an der Schwelle zu einer dritten Phase, in der Investoren statt auf Benchmarks auf Absolutrisiken achten.

Für Investoren waren Emerging-Market-Aktien in diesem Jahr bislang keine gute Wahl. Bis Ende Juli ist der MSCI EM Index um 8,6% gefallen. Grund waren politische Risiken und Wachstumszweifel. Viele Investoren fragen sich, ob die Party nach 25 Jahren außerordentlich hoher Erträge vorbei ist. Aus einer Emerging-Market-Aktienanlage von 100 US-Dollar vor 25 Jahren sind bis heute über 1.700 US-Dollar geworden – und damit drei Mal mehr, als wenn man 100 Dollar in Industrieländeraktien angelegt hätte (vgl. Abbildung). Unserer Meinung nach bieten die Emerging Markets noch immer viele Chancen, aber die Zeiten haben sich geändert. Daran wird  man sich als Anleger gewöhnen müssen.

Chart

Die Pioniere brauchten spezielle FähigkeitenFür Emerging-Market-Investoren gab es drei unterschiedliche Phasen. Die Pionierphase begann 1988. Damals machten Emerging-Market-Aktien weniger als 1% der Aktienmärkte weltweit aus, und der MSCI EM bestand nur aus zehn Ländern. Malaysia und Brasilien hatten einen Indexanteil von über 50%. Russland, Indien und China waren noch gar nicht enthalten. Die ersten Anleger wurden reich belohnt. Aber ab den späten 1990er Jahren wurde ihr Vertrauen auf die Probe gestellt, als mehrere Krisen die Märkte häufig einbrechen ließen. Für die Pioniere unter den Emerging-Market-Investoren hing der Erfolg maßgeblich davon ab, ob sie größere gesamtwirtschaftliche Risiken meiden konnten.

Beta-Strategien bestimmten die BRICs-ÄraDie zweite Phase war die Ära der BRICs. Sie begann 2001, als China der WTO beitrat. Rohstoffexportierende Länder profitierten von explodierenden Rohstoffpreisen. Die Inflation ging zurück, die Kreditvergabe stieg und es entstand eine Mittelschicht. Von 2003 bis 2007 vervierfachte sich der MSCI EM Index.

Beta hieß die Zauberformel und es überrascht kaum, dass börsennotierte Fonds (ETFs) und passive Strategien sehr populär wurden – nach dem enormen Indexanstieg.

Benchmark war gesternInvestitionen aufgrund einer erfolgreichen Vergangenheitsentwicklung waren schon immer eine schlechte Idee. Unserer Ansicht nach sind Betastrategien für die nächste Phase nicht geeignet. Wir nennen diese Phase Emerging Markets 3.0.

Warum sind Betastrategien nicht mehr zielführend? Erstens dürften sich die Erträge nach den vielen Jahren des Wachstums eher in Grenzen halten. Zweitens dürften bislang unsichtbare Schwächen von Unternehmen jetzt deutlicher zu Tage treten. Drittens finden gerade beträchtliche Veränderungen statt. Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich weiter, aber zugleich treten neue Produzenten wie Vietnam und Bangladesch auf den Plan – und Länder wie Mexiko lassen dank umfassender Reformen einen Wandel erwarten.

Ineffizienzen nutzen – mit AlphastrategienEines hat sich aber nicht geändert. Nach wie vor sind die Emerging Markets ineffizient. Bisher bedeutete dies, dass schon mit relativ einfachen quantitativen Modellen hohe Erträge möglich waren. So verzeichneten die nach dem KGV oder den Gewinnrevisionen attraktivsten 20% aller Aktien von 1994 bis 2012 einen Mehrertrag von 8 Prozentpunkten gegenüber dem Gesamtmarkt. Unserer Einschätzung nach wird sich dies nicht wesentlich ändern, weil die Ineffizienzen noch immer Bestand haben. Zu ihnen zählen die langsamere Verbreitung neuer Informationen, die geringere Transparenz, höhere Transaktionskosten und begrenzte Liquidität.

Um diese Ineffizienzen zu nutzen, müssen Investoren unserer Ansicht nach Alphastrategien wählen. Allerdings haben die meisten Emerging-Market-Fonds nach Angaben von eVestment einen Tracking Error von weniger als 5%. Die Orientierung an einer relativ volatilen Benchmark ist keine besonders gute Form der Risikokontrolle.

Stattdessen sollten Anleger unserer Meinung nach in Betracht ziehen, ganz auf eine Benchmark zu verzichten und Absolut-Strategien den Vorzug geben. Besonders wichtig ist das, weil die Emerging Markets 3.0 eine schwache Unternehmensperformance kaum noch verzeihen und die Geschäftsleitungen mehr denn je ihre Managementqualität beweisen müssen. Die Geschäftsleitungen müssen zeigen, dass sie verantwortungsvoll mit dem Kapital umgehen. Um in dieser Phase erfolgreich zu sein, müssen Portfoliomanager gesamtwirtschaftliche Veränderungen früh erkennen und Unternehmen finden, die auch mit erheblichen Veränderungen und Verlustrisiken gut umgehen können.

Übersetzung aus dem Englischen.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch Investmentberatung oder Anlageempfehlungen. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AllianceBernstein wider.

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